Änderung der Firmenkultur – Was Führungskräfte beim Abendbrot über Verhalten lernen können

„Meine Mitarbeiter sollen sich endlich verändern“.  Viele Führungskräfte haben ganz genaue Vorstellungen, wie sich Mitarbeiter verhalten sollen, damit es der Abteilung und dem Unternehmen gut tut. Die spannende Frage lautet nun: Wie geht das? Hier eine Antwort.

Wie verändert man die Arbeitskultur? Wie schafft man es von bloßen Lippenbekenntnissen der Führungskräfte zu einer echten Weiterentwicklung des Verhaltens?Leider scheitern viele Initiativen, weil sie mit Maßnahmen hinterlegt sind, die vor allem auf Kommunikation aufbauen. Und dies ist leider nicht wirkungsvoll genug. Folgende Versuche lassen sich in Unternehmen recht häufig beobachten:

  • Bedrucken von Kaffeetassen und Plakaten mit einem passenden Slogan
  • Verkündigung in einer Abteilungsbesprechung und Vorstellung des neuen Verhaltens. Jeder wird aufgefordert, sich ab sofort so zu verhalten.
  • Senden des neuen Verhaltensauftrags per E-Mail.
  • Den Geschäftsführer bearbeiten, dass dieser dieses Thema auch mindestens einmal bei einer wichtigen Veranstaltung vor den Mitarbeitern erwähnt.

Diese Liste lässt sich fortsetzen, vermutlich fällt Ihnen auch noch entsprechendes ein. Verstehen Sie mich nicht falsch. Solche Dinge können einen Wandelprozess unterstützen – aber sie sind auf keinen Fall die Haupttriebfedern.

Das Verhalten einzelner beeinflusst das ganze System

Die wichtigsten Triebfedern für einen Verhaltenswandel sind einfach und wir kennen sie alle. Viele von Ihnen haben sie vermutlich schon selbst eingesetzt. Schauen wir uns das Ganze mal an einem Beispiel an, dass jeder kennt: der Abendbrottisch einer Familie.

Familie Mayer mit zwei Kindern sitzt am Tisch. Die Eltern möchten, dass die Kinder ein neues Verhalten umsetzen, beispielsweise „sitzen bleiben bis alle zu Ende gegessen haben“. Was werden Eltern tun?

  • Sie werden es den Kindern genau erklären! Sie werden sagen, warum sie das wollen. Sie werden sagen, dass es ab jetzt gilt und dass alle sich dran halten sollen. Und sie erklären es vielleicht sogar mehrfach.
  • Sie werden es Vorleben. Eltern wissen genau, wenn sie ein verhalten selbst nicht vorleben, haben Kinder kaum einen Grund, sie nachzuahmen.
  • Sie werden loben! Wenn ihre Kinder sitzen bleiben, obwohl sie vielleicht schon fertig und unruhig sind, werden Sie Lob aussprechen.
  • Sie werden konfrontieren, wenn ihre Kinder sich nicht an die neue Regel halten. Und sie konfrontieren unmittelbar. Das heißt sofort: nachdem die Regel gebrochen wird.
 Mitarbeiter sind keine Kinder! Aber Familien sind soziale Systeme, bei denen das Verhalten einzelner das ganze System beeinflusst. Genauso ist es in Unternehmen. Natürlich lassen sich nicht alle Mechanismen von der Familie ins Unternehmen übertragen. Aber für viele gelten ähnliche Dynamiken.

Was können also Führungskräfte von daheim lernen? Führungskräfte müssen vier Schritte tun, um ein Verhalten einzuführen.

1. Erklären

Sie sollen erläutern, was der Sinn und Zweck eines neuen Verhaltens ist. Warum ist dies für die Abteilung und die Firma wichtig? Was können Vorteile für die Mitarbeiter selbst sein? Auch die Schwierigkeiten sollten nicht verschwiegen werden.

2. Vorleben

Ohne Vorleben geht’s nicht. Fische stinken vom Kopf her. Mitarbeiter schauen ganz genau, was ihre Führungskräfte selbst machen. Wenn Sie selbst wie gewünscht handeln, ist das ein guter Motor. Aber nur wenn es kein aufgesetztes und unauthentisches Verhalten ist.

3. Loben

Dies wird leider zu häufig vergessen. Wenn Mitarbeiter etwas auf die neue Art machen, sollte es gelobt werden. Und zwar nicht nur, wenn sich der Erfolg der Maßnahme einstellt, sondern auch schon dann, wenn es ausprobiert wurde. Öffentliches Loben kann besonders wirksam sein.

4. Konfrontieren

Wenn etwas gegen das neue Verhalten passiert, gilt es dies umgehend zu thematisieren. Nicht erst im jährlichen Mitarbeitergespräch, sondern umgehend. Persönliches Feedback natürlich nur unter vier Augen. Grundsätzlich kann man falsches Verhalten auch öffentlich ansprechen, aber dann auf keinen Fall mit Nennung der Namen.

Übrigens wird es nur selten gelingen, wirklich eine ganze Mannschaft auf etwas Neues einzuschwören. Mitarbeiter sind schließlich Individuen. Aber die eben ausgeführte Vorgehensweise hilft, dass ein großer Teil der Mannschaft erreicht wird. Und so werden sich die Mitarbeiter auch gegenseitig mit dem neuen Verhalten infizieren.

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