Burn-In – der richtige Weg aus der Burnout-Falle

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Jetzt reicht´s! Wir sind soweit gekommen, dass das Phänomen Burn-Out den Status einer Volkskrankheit erreicht hat. Das zumindest belegen jüngste Studien aus dem Bundesministerium für Arbeit. Dabei ist der Burn-Out noch nicht einmal eine sich selbst verbreitende Epidemie. Wir alle haben es selbst in der Hand. Die Anforderungen und Gewohnheiten der modernen Arbeitswelt und die Reaktion der Mitarbeiter darauf sind die Verursacher. Burn-Out ist ein schleichender Prozess. Und man kann ihn aufhalten – am besten schon zu Beginn.

Also gilt: Ärmel hochkrempeln und mit Anpacken. Es ist Zeit für Burn-In!

Über die Vermeidung von Burn-Out ist schon viel Sinnvolles geschrieben worden. Ich möchte heute eine andere, aber sehr wirkungsvolle Gegenmaßnahme erklären: Burn-In. Damit bezeichne ich einen Zustand, in dem Menschen mit voller Power das tun, was sie wirklich lieben.
Denn Menschen, die am Burn-In-Syndrom „leiden“, sind weniger anfällig für Stress und liefern bessere Ergebnisse. Also gut für alle Beteiligten. Und alle – Firmen, Führungskräfte und Mitarbeiter – können mitwirken, Burn-In zu realisieren.

Zunächst sollte jede einzelne Führungskraft und jeder Mitarbeiter für sich folgende wichtige Entscheidung treffen: nur den Job zu tun, der wirklich Spaß macht und für den man wirklich brennt. Das klingt lapidar. Gleichzeitig wissen wir durch Studien, dass etwa 2/3 der Deutschen mit ihrem Job unzufrieden sind. Wir scheinen also noch Potenzial zu haben.

Jeder sollte also mit der Beantwortung der Frage: „Macht mir dieser Job wirklich Spaß?“ sehr ehrlich zu sich selbst sein. Wer sagen kann „mein Beruf ist meine Berufung“, kann sich glücklich schätzen. Denn diese Menschen haben ein Funkeln in den Augen, wenn sie über ihre Arbeit reden. Und am Montagmorgen denken sie nicht: „Oh mein Gott, könnte ich doch bloß liegen bleiben.“ Ganz ehrlich – Menschen, die an einem Job festhalten, hinter dem sie nicht hundertprozentig stehen, tun sich selbst und ihrem Umfeld keinen Gefallen. Selbst wenn man seinen Job nicht sofort ändern kann – diese Erkenntnis ist schon der erste Schritt.

Wie findet man diesen „richtigen“ Job?
Es gibt viele Hilfsmittel, um eine Antwort darauf zu finden. Beispielsweise entsprechende Ratgeber-Literatur lesen, einen langen Urlaub machen, sich fragen: „Was soll in der Trauerrede nach meinem Ableben über mich und meine Hinterlassenschaft gesagt werden?“ Oder Freunde fragen: „Wenn Du mir meinen Traumberuf geben könntest, welcher wäre das?“

Mach´ Dir die Welt, wie sie Dir gefällt !
Wenn man seinen Job nicht sofort ändern kann, dann sollte man den Arbeitsalltag so gestalten, dass er zur eigenen Person passt. Denn jeder hat ein gewisses Maß an eigener Gestaltungsmöglichkeit und sollte diese konsequent nutzen. Nehmen wir ein Beispiel, um das zu veranschaulichen: Peter will einen Projektplan entwerfen und er arbeitet am liebsten in Ruhe. Geräuschkulisse und Ablenkung würden ihn stressen. Als Lösung sucht er sich einen ruhigen Meetingraum oder verwendet Ohropax. Peter stellt für eine gewisse Zeit sein Telefon aus oder leitet Anrufe an einen Kollegen weiter. E-Mails werden abgeschaltet. Perfekt.

Sein Kollege Paul muss ebenfalls einen Projektplan entwickeln, tut dies aber am besten mit anderen Menschen zusammen. Also besorgt Paul eine Packung Kekse, lädt zwei Kollegen für zwei Stunden zu einer Besprechung ein, stellt ein Flipchart bereit – und dann wird gemeinsam gedacht und entwickelt. Paul ist zufrieden.

Firmen sollten die Möglichkeiten für Burn-In schaffen.
Natürlich sollten sich auch Firmen Gedanken zum Burn-In machen. Ich muss Managern sicher nicht erzählen, welche Auswirkungen Demotivation, eingeschränkte Kreativität und hoher Krankenstand haben. Daher empfehle ich Managementteams, sich regelmäßig die Frage zu stellen: Ist der Kern des Geschäfts das, wofür wir als Firma wirklich brennen? Macht das, was wir tun, unseren Mitarbeitern Spaß und Freude? Ist die Art und Weise, wie wir arbeiten, genau „unsere Art zu arbeiten“? Auf welche Leistungen sind wir stolz? Zahlreiche familiengeführte und mittelständische Firmen sind in dieser Disziplin gut, da dort vieles auf Stärken der Gründungsgeneration aufgebaut ist.

Auch Personaler sollten im Rahmen der Karriereplanung darauf achten, dass ihre Mitarbeiter das tun, was sie selbst wirklich wollen. Früher hat man zu Unrecht die besten Fachleute zu Teamleitern gemacht. Besonders bei den Top-Talenten sollte man die Jobs „um diese herum bauen“ – das heißt, den Job so gestalten, dass er auf die Erfordernisse der Individuen zugeschnitten ist.

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