Das WOHIN muss klar sein – und schön emotional bitte

Unternehmen zu verändern ist schwer. Klar! Wissen wir alle. Die Schwierigkeit liegt aber häufig nicht darin, den richtigen Plan für einen Wandel zu entwerfen, sondern Mitarbeiter und Führungskräfte im Unternehmen dazu zu bewegen, mitzumachen.
Zum einen muss das WARUM klar sein. Denn es braucht einen guten Grund, warum sich Menschen auf eine Reise machen sollen. Zum anderen braucht es aber auch ein WOHIN. Denn wer geht schon gerne auf eine Reise, ohne zu wissen, wohin es geht.Das klingt simpel. Ist es auch. Doch nach meiner Erfahrung ist die Formulierung des WOHIN bei so manchen Veränderungs-Projekten in Firmen unzureichend. Man will „der Beste im Segment So-und-So sein“ oder „stabil laufende Prozesse“ haben oder „Operational Excellence“ realisieren. So etwas aktiviert aber nicht alle oder genügend Mitarbeiter zum Handeln.

Um das WOHIN so zu gestalten, dass es Menschen wirklich mitreißt, lassen Sie uns kurz einen Ausflug in das menschliche Gehirn machen. Der Gedächtnisforscher und Weltmeister im „Namen merken“ Boris Nikolai Konrad sagt, dass das Gehirn am besten Bilder verarbeiten kann. Informationen werden daher idealerweise in Verbindung mit Bildern abgespeichert. Und damit diese Bilder möglichst lebendig und kraftvoll werden, sollten sie mit Emotionen aufgeladen werden.

Kurzes Beispiel aus dem Alltag: Typischerweise werfen Gedanken an den kommenden Urlaub angenehme Gefühle auf. Warum? Man weiß, wo es hingeht (Information), man hat schöne Fotos des Hotels oder des Ziels gesehen (Bilder) und man hat sich ausgemalt, was man dort vor Ort schönes machen wird. Das alles zusammen verursacht das Lächeln im Gesicht (Emotionen).

Genau dieses Prinzip lässt sich auf die Formulierung des WOHIN, gerade bei Veränderungen von Unternehmen, übertragen:

„Wir möchten die Zeit zwischen Auftragseingang und Produktauslieferung von 20 auf 12 Tage reduzieren. Dafür müssen wir die bereichsübergreifende Zusammenarbeit neu strukturieren und alle an einem Strang ziehen. Und das werden wir schaffen! Stellen Sie sich vor, dass wir zukünftig alle effizienter und entspannter arbeiten, weil wir unsere Schnittstellen noch besser abstimmen. Sie werden pro Tag 15 Eskalations-E-Mails weniger im Posteingang haben, weil wir von vornherein eine bessere Abstimmung sicherstellen. Sie werden auf den Gängen viel mehr entspannten und lächelnden Kollegen begegnen als heute. Wir werden von unseren Kunden Dank-E-Mails bekommen, weil wir es geschafft haben, sie schneller zu beliefern als heute. Hätten Sie gerne Dank-E-Mails von Ihren direkten Ansprechpartnern bei unseren Kunden?“

Das ist ein mögliches Beispiel dafür, einen Zielzustand etwas emotionaler zu verpacken. So eine Ansprache aktiviert mehr Menschen als der Textbaustein „Um unseren Kundenzufriedenheitsindex zu steigern, wollen wir die Durchlaufzeit verkürzen.“

Hier ein paar Tipps, wie auch Sie das WOHIN emotionaler und klarer formulieren können:

Das Ziel sehr konkret benennen.In diesem Beispiel von 20 auf 12 Tage bis Ende 2013.

In der Wir-Form schreiben.Dies schafft Gemeinsamkeit und Teamgefühl. Das ist bei Veränderungsprozessen deutlich hilfreicher als „Ihr müsst … “

Das Entstehen von Bildern beim Zuhörer fördern.Formulierungen wie bspw. „Stellen Sie sich vor, dass …“ aktiviert das kreative Vorstellungsvermögen beim Zuhörer. Und „entspannte Kollegen auf den Gängen“ ist auch so konkret, dass es jeder in seine eigene Realität übertragen kann.

Das Urlaubs-Prinzip– Die Zukunft positiv ausmalen. Eine malerische Beschreibung des Zielzustands, wie oben das Beispiel mit den Dankes-Emails, stellt für viele sicher ein attraktives Szenario dar.

Um Führungskräften und Mitarbeitern in einem anstrengenden Veränderungsprozess genug Energie zu geben, braucht es ein attraktives, emotionales und klares Zielbild. Darauf sollte man als Verantwortlicher von Veränderungen, im Großen wie im Kleinen, gerne ein paar Gedanken investieren. Es lohnt sich sicher.

Doch ist eine Veränderung erst mal gestartet, ist das WARUM und das WOHIN klar, wird es anstrengend. Dann braucht es noch den Durchhalte-Willen. Dazu mehr in meiner nächsten Kolumne.
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