Der Oliver-Kahn-Effekt – und warum es ihn unbedingt braucht

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Die Mannschaft steht bereit, das Ziel ist bekannt – jetzt beginnt die Umsetzung. Da gilt es, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen – so wie der frühere Torhüter Oliver Kahn, der seine Mannschaft immer wieder zu Höchstleistungen antrieb – und selbst nie aufgab.

Die meisten Veränderungsprojekte haben gewisse Gemeinsamkeiten. Egal ob es sich dabei um ein Unternehmen, den Bau eines Hauses oder um die Optimierung eines Prozesses handelt: Zu Beginn ist die Motivation der Beteiligten immer groß – doch dann nimmt sie häufig ab.

Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Zu Beginn hat man das WOHIN noch klar im Kopf und freut sich darauf. Doch dann beginnt die Arbeit – meistens mehr als ursprünglich angenommen. Und dann treten die ersten Schwierigkeiten auf – die meisten davon natürlich unerwartet. Bei Veränderungsprojekten liegen Schwierigkeiten manchmal darin, dass die meisten Menschen erst während der Veränderung merken, dass sie gewisse Dinge gar nicht wollen. Die „Verbesserung der Durchlaufzeit“ mag ja zunächst ein sinnvolles Ziel sein. Allerdings bedeutet es für den Einzelnen häufig eine Veränderung der eigenen Arbeitsweise. Und das wollen nicht alle Mitarbeiter und Führungskräfte – und schon gar nicht sofort. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier; es braucht da schon eine ständige Überzeugung.

Schlecht geführte Projekte überstehen diese Phase der ersten Schwierigkeiten meist nicht. Stattdessen werden die Probleme (vermeintlich) so groß, dass Projekte ganz plötzlich aufgrund „geänderter Prioritäten“ gestoppt werden oder – der häufigere Fall – klammheimlich auslaufen.

Auch Steve Jobs musste täglich Widerstände überwinden
Damit Veränderungsprojekte die Phase der Schwierigkeiten überstehen, braucht es den Oliver-Kahn-Effekt. Der ehemalige Nationaltorwart hatte seine großartige sportliche Karriere nicht nur seinem Talent zu verdanken, sondern vor allem seinem Willen zum Erfolg, seinem Nicht-Aufgeben bei Schwierigkeiten und seinem unermüdlichen Einsatz und Trainingswillen. Er wollte gewinnen. Und glauben Sie nicht, dass nicht auch ein Vorzeige-Charismatiker wie Steve Jobs beständig Schwierigkeiten in der Entwicklung seiner Produkte aus dem Weg räumen musste.

Was also kann man tun, wenn man Firmen oder Organisationen verändern will und in die Phasen mit den ersten Schwierigkeiten kommt? Mein Rat: Beweisen Sie den absoluten Willen, die Neuerungen umzusetzen. Durch folgende Maßnahmen können Sie dies signalisieren.1. Persönlich dranbleiben!
Die verantwortlichen Führungskräfte müssen sich persönlich kümmern. Sie müssen beständig sagen, und vor allem auch meinen, dass ihnen das Projektergebnis wichtig ist. Das bekunden sie am besten dadurch, dass sie persönlich Zeit mit den Projektverantwortlichen verbringen –dazu reichen oft schon ein bis zwei Stunden in der Woche.2. Selbst mit gutem Beispiel vorangehen
Wenn man beispielsweise eine offene Fehlerkultur einführen möchte, dann muss man mit gutem Beispiel vorangehen. Als Geschäftsführer könnte man zum Beispiel mal einen eigenen Fehler vor der eigenen Mannschaft zugeben. Und natürlich auch, was man daraus gelernt hat. Denn, das was man von anderen fordert, sollte man selbst mit Bravour zeigen.Sie zweifeln, ob selbst Fehler zuzugeben richtig ist? Wem glauben Sie mehr, dass beständiges Training wichtig für Erfolg ist: Oliver Kahn oder einem Theoretiker ohne eigene sportliche Ambitionen?3. Relevante Systeme sofort ändern
Schaffen Sie umgehend Fakten. Wenn Sie beispielsweise SAP einführen wollen, dann sorgen Sie dafür, dass die guten alten Excel-Tabellen, mit denen vorher gearbeitet wurde, möglichst schnell abgeschafft werden. Manchmal wird dazu tendiert noch eine lange Zeit doppelte Systeme zu führen. Und weil man die alten Excel-Tabellen besser gewöhnt ist, fallen einem viele Gründe ein, warum die neuen Systeme doch nicht so toll sind – vor allem weil zu Beginn ja nicht gleich alles klappt.4. Die richtigen Mitstreiter suchen
Bevor Sie allzu viel Zeit mit denjenigen verbringen, die einer Neuerung kritisch gegenüber stehen, verbringen Sie lieber Zeit mit denjenigen, die dem ganzen positiv oder mindestens neutral gegenüber stehen. So ist es einfacher, erste Tatsachen zu schaffen – und das wird dann später auch noch einige der Kritiker überzeugen.

Zusammenfassend ist der wesentliche Hinweis aber der Folgende: Haben Sie den absoluten WILLEN, auch gegen auftretende Widerstände ihr Veränderungsziel zu erreichen. Das ist die „halbe Miete“.

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