Fesselnd reden – Was wir von Anja Reschke lernen können

Die Journalistin Anja Reschke hat mit ihrem Auschwitz-Kommentar eine heftige Debatte ausgelöst. Kein Wunder: Ihr Sprach-Stil ist grandios. Was Politiker, Angestellte und Unternehmer davon lernen können.

Die ARD-Journalistin Anja Reschke beherrscht die sozialen Netzwerke. Ihr Tagesthemen-Kommentar zu Pegida wurde auf Facebook rund drei Millionen Mal angesehen und 40.000-mal geteilt.

Zunächst: Ich stelle mich persönlich hinter jedes Wort, dass sie gesprochen hat. Aber das ist nicht der Grund für diese Kolumne. Ich bin der Meinung, dass viele von Anja Reschke lernen können, wie man ein Publikum fesselt, aktiviert und mitnimmt.

Mein Expertenthema hier bei FOCUS ist das Change Management. Das bedeutet: Menschen in anstehende Veränderungen aktiv und sinnvoll involvieren. Die Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter auf solche Reisen mitnehmen müssen, können sich von der Redekunst einer Frau Reschke einige Scheiben abschneiden.

Tipp 1: Den Zuschauer zu Beginn durch Provokation fesseln

„Auschwitz, Holocaust, ich kann’s nicht mehr hören…“ Schon die ersten Worte des Kommentars fesseln den Zuschauer. Reschke verwendet hier eine Provokation – auch wenn es in diesem Fall nur eine indirekte Rede ist. Aber das Stilmittel der Provokation ist für Reden von Führungskräften sicher leicht zu übertragen.

Tipp 2: Klare Fakten als Basis verwenden

Reschke zitiert eine Studie der Bertelsmann-Stiftung und schafft somit eine Fakten-Basis. Führungskräfte können hier sicher gleichziehen – denn ein Unternehmenswandel basiert häufig auf klaren und eher negativen Fakten.

Tipp 3: „Ich“ anstatt „man“

Reschke spricht in ihrem Kommentar von sich ganz persönlich, von ihren Wahrnehmungen, ihren Erlebnissen und ihren Meinungen. Sie sagt „ich“ statt „man“.

So hat man als Zuhörer sehr schnell einen Bezug und kann entscheiden, ob man sich damit identifizieren will – oder eben auch nicht. In Firmen gibt es wenig Schlimmeres als Chefs, die einfach die Firmenstrategie herunterbeten, ohne wirklich zu sagen, was das für sie persönlich und den Bereich heißt.

Tipp 4: Geschichten erzählen

Sie verwendet Elemente des sogenannten Storytellings. Sie beschreibt genau, wie es in Auschwitz aussah, als die alliierten Kameraleute kamen. Sie erzählt vom Rauch und von Leichen. Durch ihre bildhafte Sprache entstehen auch beim Zuhörer Bilder im Kopf – und so werden diese auch weiter den Worten von Frau Reschke lauschen.

Tipp 5: Ich meine es so, wie ich es sage!

Frau Reschkes Augen blitzen. Haben Sie es bemerkt? Das sind klare Signale, dass sie ganz genau meint, was sie sagt. Und dass es sie richtig wütend macht. Solche Emotionen erreichen den Zuschauer.

Emotionen gehören auch in Change-Reden von Führungskräften – noch viel zu wenige Manager trauen sich dies allerdings zu.

Tipp 6: Klare Stellung beziehen

Natürlich, das ist ja auch die Aufgabe eines Kommentars. Aber leider ist das in Unternehmen noch nicht häufig anzutreffen.

Tipp 7: Ein Abschluss mit Erinnerungswert

„… da ist mir dann wirklich schlecht geworden.“ Frau Reschkes Abschlusssatz haben sicher noch viele Zuschauer im Ohr. An so etwas erinnert man sich – und das ist gut so.

Anja Reschke, Chapeau!

Ein grandioser Kommentar, inhaltlich wie stilistisch, zu einem der wichtigsten Themen momentan. Mögen andere von Ihnen lernen.

Änderung der Firmenkultur - Was Führungskräfte beim Abendbrot über Verhalten lernen können Diese 12 Regeln gehören in jedes Großraumbüro