In der Flüchtlingskrise – Das sollten Führungskräfte von Angela Merkel lernen

Was für ein fulminanter Auftritt. Die Delegierten der CDU sind begeistert und das Medienecho ist positiv. Kanzlerin Angela Merkel hält eine große Parteitagsrede und versammelt die Partei hinter sich. Dabei hat sie alles richtig gemacht. Nachahmen empfohlen.

Ein politischer Kommentar ist nicht mein Ziel an dieser Stelle. Ich möchte stattdessen auf einige Details der Rede hindeuten, von denen andere etwas lernen können. Und wie immer denke ich da an Führungskräfte von Unternehmen. Denn auch diese haben mit Entscheidungen, die Veränderungen in Unternehmen betreffen, naturgemäß nicht immer nur Freunde.

Vor Kurzem habe ich ihr „Wir schaffen das“ unter dem Aspekt der Veränderungsstärke analysiert. Einige der damals kritisierten Aspekte hat sie nun deutlich besser umgesetzt: Zum einen den deutlichen Bezug und die Bejahung der deutschen Werte, nämlich unsere Verfassung. Zum anderen hat sie ansatzweise die Vision eines Deutschlands der Zukunft aufgezeigt.

Merkel benennt ihre Vision von Deutschland

Das ist wichtig ist Zeiten von Veränderung: Sagen, was stabil bleibt und eine Vorstellung von einem positiven Ausgang. Beides hilft, Menschen mit auf den Weg zu nehmen.

Jedoch hat Merkel bei dieser Parteitagsrede kommunikativ noch mindestens zwei Dinge auf grandiose Art und Weise gemacht. Und beides können Firmenlenker auch auf Ihre Reden übertragen.

Das sollten sich Firmenlenker von der Kanzlerin abschauen

Erstens: Sie ist auf die Menschen mit Angst und Sorgen bewusst und aktiv zugegangen. „Lasst uns auch die Sorgen der Menschen in den Blick nehmen … auch ein starkes Land wie Deutschland ist überfordert mit einer so großen Zahl von Flüchtlingen … “

Damit hat sie das ausgesprochen, was viele Menschen schon seit Beginn der Flüchtlingskrise denken. Die Menschen, die konkrete Ängste vor einem von Flüchtlingen überschwemmten Land haben, wird dies vielleicht ein bisschen beruhigt haben. Sicher nicht alle, aber einige.

Und genau das ist in Veränderungsprozessen essentiell wichtig. Die Sorgen der Menschen anzuerkennen, die etwas verlieren könnten. In Unternehmen können das die gewohnte Arbeitsumgebung, gewohnte Verhaltensweisen oder der sichere Arbeitsplatz sein. Sorgen anzuerkennen heißt übrigens nicht, dass man gleich Lösungen haben muss. Aber allein die Anerkennung und Würdigung hilft schon. Widerstand wird sich daraufhin in aller Regel verringern. Unternehmenslenker vergessen dies manchmal  – es zählen nur die Zahlen und der Weg nach vorne.

Merkel punktet mit einem genialen Zitat

Zweitens: „… weil es zur Identität der Deutschen gehört, Großes zu leisten“. Dieses Zitat ihrer Rede ist ein ebenso wichtiger wie genialer kommunikativer Schachzug.

Sie hat bedeutende CDU Politiker zitiert. Adenauer mit „Wir wählen die Freiheit“ und Ludwig Erhard mit „Wohlstand für alle“. Sogar Kohls „blühende Landschaften“ hat sie erwähnt. Und bei letzterem auch zugegeben, dass sie diese lange Zeit selbst nicht sehen konnte.

Sie hat den Delegierten also in die Erinnerung gerufen, dass

  • schon mehrfach Kanzler da waren, die trotz Widerstand Großes von den Deutschen gefordert haben und
  • die von ihr zitierten Kanzler letztlich Recht behalten haben. Zumindest nach ihrer Interpretation.

Damit ist sie einen Beweis angetreten, dass „Wir schaffen das“ eine richtige Botschaft ist – und das Sie am Ende Erfolg haben wird.

An bereits erreichte Erfolge anknüpfen

Führungskräfte können sich dies merken: Anknüpfen an Erfolgen ist Balsam auf die Seele von betroffenen Zuhörern. Erinnerung an Erfolge machen Mut und geben Kraft. Und beides braucht es, wenn man Mitarbeitern oder einer ganzen Gesellschaft viel abverlangen will.

Frau Merkel steht auf der Brücke des Deutschlandschiffs mit einer steifen Brise im Gesicht. Auch diese Hartnäckigkeit und das Nicht-Einknicken kann Menschen letztlich von ihrem Kurs überzeugen.

Die Zeit wird es zeigen. Und die Zeit wird zeigen, ob sie Recht behält.

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