Klare Worte können Firmen vor dem Untergang retten

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Die rosigen Zeiten für deutsche Unternehmen sind vorüber. Viele Angestellte fragen sich, wie die eigene Firma durch wildes Fahrwasser kommt. Doch es gibt eine Formel dafür, dass alle an einem Strang ziehen.
Eine offene Kommunikationskultur ist ein wesentlicher Erfolgshebel für ein Unternehmen. Mitarbeiter und auch Führungskräfte sollten wissen, wie die Strategie des Unternehmens ist und wie es um dessen Zielerreichung steht.

Ein Blick in die Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen von verschiedenen Firmen zeigt jedoch, dass Mitarbeiter sich häufig nicht ausreichend informiert fühlen. Sie wünschen sich mehr Informationen über die Strategie und darüber „wie es wirklich um die Firma bestellt ist“. Ist ein Unternehmen in der Krise durch – zum Beispiel massive Auftragsverluste – steigt der Informationswunsch deutlich an. Vor allem dann, wenn eine Umstrukturierung in Sicht ist.

Dann erscheint es ja ganz simpel. Die Führungsmannschaft sollte einfach offen kommunizieren!

Führungskräfte schätzen ihre Mitarbeiter oft falsch ein

Leider schaut die Realität in den Unternehmen häufig anders aus. Drohen Reorganisationen werden Informationen der Firmenleitung und Führungskräfte spärlicher. Führungskräfte ziehen sich buchstäblich zurück. Der häufig gerühmte Satz, „Meine Tür ist für meine Mitarbeiter immer offen“ ist in der Krise nichts mehr wert. Warum ist das so?

In vielen Firmen und Köpfen und hat sich leider so mancher Irrglaube festgesetzt. Zum Beispiel: „Wir als Führungsteam sind noch im Entscheidungsprozess. So lange können wir nichts sagen.“. Oder: „Wenn man den Mitarbeitern noch nicht sagt, wie es um die Firma wirklich steht, dann merken sie es noch nicht und arbeiten motiviert weiter.“ Mit dieser Einstellung gehen Führungskräfte unangenehmen Fragen Ihrer Mitarbeiter aus dem Weg.

So funktioniert das natürlich nicht. Mitarbeiter haben einen siebten Sinn für anstehende Veränderungen. Sie können 1 und 1 zusammenzählen und sehen den Führungskräften anstehende Reorganisationen an der Nasenspitze an. Da die Führungskraft jedoch für Antworten nicht zur Verfügung steht, diskutieren die Mitarbeiter solche Themen ausführlich in den Kaffeeküchen. Und damit ist ein Aufbauschen von Gerüchten und Halbwahrheiten vorprogrammiert.

Mitarbeiter verlieren Vertrauen, Motivation sinkt und sie verlieren den heutzutage vielzitierten Fokus. Wenn dann der „Big Bang“aus der Presse anstatt von ihren Vorgesetzten erfahren wird, ist die Glaubwürdigkeit endgültig dahin.

Führungskräfte und Mitarbeiter sollten daher beide an einer offenen Kultur der Kommunikation arbeiten! Sie kann Ihrer Firma das Leben retten. Und glücklicherweise können alle dazu einen Beitrag leisten.
Hier ein paar Tipps für die Führungskräfte:

Machen Sie sich bewusst, dass Mitarbeiter einen siebten Sinn für die Lage der Firma haben. Und alle erwachsenen Menschen können mit ehrlichen Informationen umgehen.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern regelmäßige Updates über die Lage der Firma. Falls eine Umstrukturierung angekündigt ist, reden Sie über die Timelines und die wesentlichen Neuigkeiten. Sprechen Sie die Gründe und das Ziel der Umstrukturierung an.

Seien Sie so ehrlich wie es geht! Sagen Sie, was Sie schon sagen dürfen und schweigen Sie bei all dem, was noch nicht spruchreif ist. „Über das Thema XY kann ich jetzt noch nichts sagen, weil die Verhandlungen mit dem Betriebsrat noch laufen. Sobald das Ergebnis vorliegt, werde ich Sie informieren“. So können Mitarbeiter zumindest über den Prozess informiert werden.

Nicht um den heißen Brei herumreden. Gerade negative Botschaften gehören klar ausgesprochen. So paradox das klingt, Mitarbeiter gewinnen Vertrauen zu Führungskräften, wenn diese sich mit breiter Schulter hinstellen und negative Botschaften klar benennen können.

Die Tür zum Büro des Chefs muss offen sein. Mitarbeiter haben Angst und Sorgen und müssen diese besprechen. Am besten mit dem Chef.

Ein paar Hinweise für Mitarbeiter:

Nicht mitmachen beim Verbreiten von Gerüchten. Sie helfen nicht! Viele in den Kaffeeküchen aufgebauschte Aussagen und Halbwahrheiten erweisen sich als falsch und vor allem: sie untergraben die Moral der eigenen Kollegen.

Hartnäckig und mutig sein. Mitarbeiter sollten ihren Führungskräften die Fragen stellen, die ihnen wirklich auf der Seele brennen.

Sich auch mal in die Lage der Führungskräfte versetzen und versuchen geduldig zu sein. Die Führungskräfte können den Mitarbeiter nicht alle Fragen immer sofort beantworten. Es gibt Phasen, in denen braucht es fokussiertes, strategisches Planen der Führungsmannschaft – und Zwischenergebnisse verunsichern dabei die Mitarbeiter eher als das sie helfen.

Beide Seiten tragen zu einer offenen Kultur bei. Sie sollte gehegt und gepflegt werden. Sie kann die Stimmung, den Teamgeist und vor allem Arbeitsplätze retten.

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