Lernen vom US-Präsidenten: Sind wir nicht auch ein bisschen Trump?

Die ersten Tage der Trump-Präsidentschaft sind ein Lehrstück dafür, wie man andere Menschen gegen sich aufbringt. Leider zeigen sich viele dieser Trump-Effekte in abgeschwächter Form auch in unserer heimischen Wirtschaft. Führungskräfte sollten aufmerken.

Im Fokus der ersten Tage der Präsidentschaft von Donald Trump standen vor allem die vielen unangenehmen Dinge und Handlungen, die unseren Wertvorstellungen, und da bin ich voll mit im Boot, nicht entsprechen. Aber darüber wurde schon ausführlich geschrieben und gesprochen.

Ich möchte noch einen ganz anderen Blickwinkel ergänzen. Denn in der großen Politik scheinen sich Mechanismen und Erkenntnisse zu bestätigen, die ich auch im Firmenalltag von Unternehmen vielfach beobachten konnte. Aus Trumps Verhalten und den Reaktionen darauf lässt sich viel für erfolgreiches Arbeiten in unseren Unternehmen lernen. Besonders Menschen in leitenden Funktionen können sich einiges abschauen – und vieles lieber nicht.

Erkenntnis 1 – Wer immer das Recht gepachtet und gleichzeitig Lösungen parat hat, bricht Brücken ab

Trump weiß alles. Und er weiß alles besser. Egal, ob es um die Korrektheit der US-Wahl oder die Anzahl der Zuschauer bei seiner Inauguration geht. Er weiß auch, wie das Problem der illegalen Einwanderung aus Mexiko gelöst wird: mit einer Mauer.

Trump vertritt eine sehr machtorientierte Position und ist nicht daran interessiert, mit anderen gemeinsam Probleme zu analysieren und eine Lösung zu finden. Er gibt alles vor – mit der Folge, dass er extremen Gegenwind erfährt. Wenn wir dieses kontroverse Trump-Verhalten beobachten, ist uns demokratisch orientierten Menschen sonnenklar, dass das so nicht vernünftig ist.

Aber wie ist es im Alltag unserer Unternehmen? Leider finden wir Trump-Verhalten auch dort sehr häufig vor, es ist nur versteckter. Kennen Sie nicht auch Kollegen oder Führungskräfte, die die Weisheit gepachtet haben? Die den anderen nicht wirklich zuhören, wie diese eine Sachlage einschätzen? Die selbst immer am besten wissen, was man tun muss, um ein Problem zu lösen?

Nehmen wir ein Beispiel: Zwei Abteilungen eines Unternehmens, Vertrieb und Logistik, treffen sich in einem Workshop, um Probleme der Lieferverzögerungen bei ihren Kunden zu besprechen. Wenn Logistik die ganze Zeit meckert, dass es nur daran liegt, dass die Vertriebler die Bestelldaten nicht rechtzeitig in das Bestellsystem eintragen, und im Gegenzug die Vertriebler sich beschweren, dass die Lieferkette viel zu langsam ist und man selbst alles besser machen könnte, dann ist der Weg zu einer gemeinsamen Lösung steinig.

Was kann man stattdessen tun, um keine Brücken abzureißen, sondern Brücken zu bauen, auf deren Basis dann auch Lösungen umgesetzt werden?

Tipp 1: Mehr Fragen als Wissen!

Fragen Sie die andere Partei, wie sich aus deren Sicht das Problem darstellt? Was hat sie für Ideen, um das Problem zu lösen? Versteht sie das Problem auch aus Ihrer Sicht? Dann wird auch Ihnen interessiert zugehört, wenn Sie ihre Sicht der Situation darlegen.

Tipp 2: Die Sachlage von der anderen Perspektive betrachten

Mal im übertragene Sinne in den Schuhen des anderen gehen kann sehr heilsam. Wer dies ehrlich macht, merkt, dass die andere Seite es aus ihrer Sicht bisher auch „richtig gemacht“ hat und damit nicht weniger schlau ist als man selbst.

Wenn man dies beachtet, setzt man sich nicht auf das hohe Ross. Andere werden eher gewillt sein, Kompromisse einzugehen. Wenn man Probleme gemeinsam auf gleicher Augenhöhe erörtert, dann werden auch gemeinsame Lösungen möglich.

Erkenntnis 2 – Ein gemeinsamer Feind schweißt zusammen

Aber auch aus den Reaktionen auf Trump können Unternehmen einiges lernen: In Unternehmen braucht es eines von drei Dingen, um ein Team zu motivieren: ein gemeinsames großes Ziel, eine charismatische Leitfigur oder – und jetzt kommt der Trump-Effekt – einen gemeinsamen Feind. Denn genau das ist Trump für viele.

Wir alle konnten in den Medien beobachten, wer beim Women’s March gemeinsam demonstriert hat: Hispanos, Schwarze, Weiße, Schwule, Heteros, Bekannte, Unbekannte, usw. Alle in Eintracht und so gut wie ohne Krawall. Mein Nachbar war übrigens live in Washington dabei und ist mitmarschiert. Und er hat mir auch von der friedlichen und gemeinsamen Atmosphäre dieser großen Menschenmenge erzählt.

Das gemeinsame Interesse, das Trump sich entweder in seinem Verhalten radikal ändert oder auf wundersame Weise von der Bildfläche verschwindet, hat sie vereint. Es gibt sicher viele Dinge, bei denen sich die Teilnehmer des Women’s March überhaupt nicht einig sind, doch das Interesse, sich gegen Donald Trump zu stellen, sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl und schweißt zusammen.

Die Erkenntnis, dass ein gemeinsamer Feind unterschiedlichste Gruppen mit unterschiedlichen Interessen zusammenschweißen kann, können sich Unternehmen zu Nutze machen. Es ist ein Mittel, um Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören: Welchen Wettbewerber gilt es gemeinsam zu „besiegen“? Welchen Missstand gilt es gemeinsam in der Welt zu verändern?

Meine Idee für Führungskräfte: Suchen Sie sich einen „Gegner“, der außerhalb Ihres Unternehmens ist und benennen Sie ihn klar und emotional – das schweißt Ihre Mannschaft zusammen.

29. Useletter- Lernen von den Trump Effekten Effektive Besprechungen ohne Notebook-Verbot sind möglich